80 Jahre Staßfurter Rundfunktechnik


Deutschland kann auf 80 Jahre Rundfunkgeschichte zurückblicken. In Staßfurt wurde ein Teil dieser Geschichte mitgeschrieben. So wurde der erste "Super" in Europa im Jahr 1928 in Staßfurt in Serie produziert. Unter dem Markennamen "STASSFURTER IMPERIAL" wurden in den 30er Jahren Rundfunkgeräte der Spitzenklasse verkauft. Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde die Rundfunkproduktion eingestellt. Während des Krieges wurden in der Firma Funkgeräte und Ausrüstungen für die Wehrmacht produziert. Nach dem Krieg begann die Produktion wieder mit Rundfunkgeräten. Die Materialien dazu stammen zum Teil aus Wehrmachtsbeständen. Mit der Enteignung der Betriebe erhielt die Firma den Namen "VEB Stern-Radio Stassfurt". Die Rundfunkproduktion erfolgte dann noch bis 1962. Ab 1961 begann man in Staßfurt mit der Umstellung auf eine intensive Fernsehproduktion. Unter dem Namen "VEB Fernsehgerätewerk Stassfurt" - alleiniger Produzent von Fernsehgeräten in der damaligen DDR- wurden bis über 500 000 Stück im Jahr 1988 produziert. Staßfurt an der Bode, gelegen in der Provinz Sachsen, war in den 20er Jahren, nach dem Rückgang der Kaliproduktion, eine aufstrebende Industriestadt mit etwa 25 000 Einwohnern. Die nächsten größeren bekannten Orte und Städte im Umkreis bis 50 km sind Magdeburg, Köthen, Halle und Halberstadt mit dem östlichen Harzvorland. Der industrielle Aufschwung, der späteren Kreisstadt, beruhte auf Kali- und Steinsalzvorkommen sowie auf Braunkohle und Kalksteinlager, die ab 1852 erschlossen und abgebaut wurden. Dazu gehörten bedeutende chemische Werke und Betriebe des Maschinen- und Apparatebaus. Das örtliche, 1899 im Athenslebener Weg gegründete Energieversorgungsunternehmen, "Staßfurter Licht- und Kraftwerke AG", gehörte ab 1912 zur Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft in Dessau. Das Unternehmen war gegliedert in Stromversorgung, Ankerwickelei, Mechanische Werkstätten und in Kleinbahn für Personen- und Güterverkehr. Die Straßenbahn wies z. B. 1921 ein Fahrgastaufkommen von 1,55 Mio. Personen auf. 1923 begann das Rundfunkzeitalter in Deutschland. Die ersten Musiksendungen kamen am
29. Oktober aus dem VOX-Haus in Berlin. Zur gleichen Zeit wurde in den Licht-Kraftwerken die Radio-Abteilung durch Direktor Adolf Steindorff gegründet. Sein Sohn, Dipl-Ing. Wolf Steindorff (1900-1976), übernahm die Leitung der Abteilung. Steindorff jun., 1918 im Krieg als Funker, befasste sich schon während seiner Studienzeit mit der Entwicklung von Radioempfang. Detektor-Empfänger mit Kopfhörer konnten ohne "Audion-Versuchserlaubnis der Reichs-Telegraphen-Verwaltung" gebaut werden. So wurden in kleinen Stückzahlen Detektor-Empfänger, Ein-Röhren-Audion-Radios und Drehkonsentatoren gebaut. Für Rundfunkgeräte galt noch das Prinzip des Geradeaus-Empfängers (Antenne, Kristall-Detektor oder Audion, Verstärker, Lautsprecher, Stromversorgung).