Staßfurt aktuell 6

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Sieht gut aus, das neue Gebäude am Luisenplatz.

Es ist ein Stück Staßfurter Geschichte, das alte Siedehaus am Wendelitz. Doch jetzt ist nur noch ein Gerippe von ihm über. Die Abrissarbeiten sind in vollem Gange. Bald wird das Gebäude ganz verschwunden sein. Vorerst!
Das Fachwerkhaus, das heute geduckt in einer Senke steht, ist die letzte Erinnerung an Staßfurts Salzgeschichte. Gebaut wurde es 1797, nachdem die Salinen an die königlich-preußische Verwaltung verkauft wurden. Die rissen die alten Salzhütten ab, bauten ein moderneres, leistungsfähigeres Siedehaus in massiver Bauweise, das am 16. November 1800 in Betrieb ging. Nach einem Brand 1854 blieb nur noch das Wohnhaus des Obersiedemeisters stehen, ein weiteres wurde später angebaut. Das sind die beiden Häuser, wie wir sie heute noch kennen.
Weitere Anbauten nach dem Brand sind inzwischen längst verschwunden, seit 1907 gibt es nur noch die beiden Gebäude am Wendelitz, die jetzt abgerissen werden.

"Sie sind die letzten baulichen Hinterlassenschaften, die auf Staßfurts Siedegeschichte hinweisen, die bis ins Jahr 1170 zurückreicht. Deshalb wollten wir die Gebäude erhalten oder zumindest Teile davon. Denn sie repräsentieren immerhin eine Produktionsstätte, die Staßfurt einst eine überregionale Bedeutung gegeben hat", sagt Museumsbeirat Martin Liefhold.
Das Haus ist so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt, vergleichbar mit dem schiefen Turm, der in den 70-er Jahren abgerissen werden musste.
Liefhold: "Seitdem ist das Siedehaus das meistfotografierte Gebäude der Stadt und auch für Künstler immer wieder ein beliebtes Modell."
Doch das Haus soll den Staßfurtern nicht verloren gehen. Stadtbauamtsleiter Wolfgang Kaufmann: "Der Fachwerkbau wird geborgen, die einzelnen Balken werden nummeriert und ihre Anordnung genau auf Skizzem vermerkt, so dass das Gebäude später an anderer Stelle originalgetreu wieder aufgebaut werden kann." Wo und wann das sein wird, steht allerdings noch nicht fest. Erstmal wird es eingelagert.
Ein enormer Aufwand. Weshalb kann das Haus nicht einfach stehenbleiben?
Bereits 1993 gab es Überlegungen, das Haus abzureißen. Aber der Denkmalschutz hat dieses Ansinnen abgelehnt. Doch es verfiel immer mehr, so dass die Denkmalschutzbehörde schließlich zu dem Schluss gelangte, dass es hier nichts mehr zu schützen gab.
Inzwischen ist die Stadt nach einem Flächentausch mit dem alten Eigentümer wieder Besitzer der Häuser. Da der Denkmalschutz die Gebäude freigegeben hat, stand dem Abriss nichts mehr im Wege. Denn eine Sanierung wäre viel zu aufwändig, eine Nachnutzung nicht gesichert. Hinzu kommt, dass der Wendelitz wegen seiner Absenkung gar nicht mehr bebaubar ist. Und so hätten später am neu gestalteten Wendelitz mit dem hübschen See und den Spazierwegen zwei hässliche Ruinen gestanden.