Der schiefe Turm von Staßfurt

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                       Der >>Schiefe Turm von Staßfurt<<

Das Wahrzeichen der Stadt - eigentlich die St. Johannis-Kirche, die im ehemaligen Stadtkern stand – wurde in den Jahren 1964/65 restlos abgerissen.
Am 25. Mai 1469 wurde mit dem Bau der St. Johannis-Kirche begonnen, sie trat an die Stelle einer älteren kleineren Kirche. Der Bau der Kirche kam durch Geldmangel bereits nach wenigen Jahren zum Stillstand - wurde dann mit Ablaßgeldern weitergeführt und 1484 beendet. Von den zwei Türmen wurde der Südturm mit einer steinernen Galerie pyramidalen Spitze (mit Turmwächterwohnung) und einer Sandsteinrose vollendet. Der Nordturm blieb unvollendet - er erhielt ein Satteldach. An die Türme schloß sich eine spätgotische dreischiffige Halle mit Chorpartie an. Auch das Innere der Kirche wurde nicht nach ursprünglichen Plänen abgeschlossen. Eine flache Holzdecke ersetzte die geplanten Gewölbe.
Zur Ausstattung gehörte u.a. ein Flügelaltar - ein spätgotisches Meisterwerk aus einer Brüsseler Werkstatt. Nach 1650 erhielt das Kircheninnere von der Pfännerschaft Einbauten im Stil der Renaissance und des frühen Barock. Den herrlichen Flügelaltar kaufte 1688 die Stadt für das Hospital St. Johannis. (Heute Feierabendheim Luisenplatz 9 – Siehe Dehio - 1974-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Bez. Magdeburg S. 386).
In der Kirche St. Johannis wurde ein neuer größerer Altar aus einer Quedlinburger Werkstatt mit 31 lebensgroßen Statuen, vielen kleineren Figuren und Zierrat aufgestellt. Erdsenkungen, verursachtdurch den 1852 begonnenen Salzbergbau in der Nähe der Kirche, führten zum Absinken des gesamten Gebäudes, sowie der näheren Umgebung um 7 m und zu einer Neigung der Kirche nach Nordost. (Zuletzt war die Turmspitze 4,50 m aus dem Lot.) 1884 mußte die Kirche erstmals den Gottesdienst einstellen - 1906 endgültige Schließung und Abriß des Chorteiles. Stützpfeiler wurden angesetzt. Der letzte Turmwächter wohnte jedoch zunächst weiterhin in der Spitze des 60 m hohen Südturmes - eine steinerne Wendeltreppe führte im Nordturm aufwärts, und man konnte von der Galerie des Südturmes Staßfurt aus der Vogelperspektive betrachten. Auch die vier Glocken erfüllten noch ihren Dienst.
Krieg und Nachkriegszeit sorgten für einen weiteren Verfall im Inneren, insbesondere der Orgel. Drei Glocken wurden im Krieg eingeschmolzen.
Am 27. Mai 1948 brannten Kirchenschiff und die Türme vollkommen aus. Die Reste des Schiffes wurden abgefahren. 1963/64 wurden dann auch die Türme abgetragen und mit der Abbruchmasse der nahe Neumarkt aufgefüllt.