Die Staßfurter Straßenbahn

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Durch den Kalibergbau  und die daraus resultierende Industriealisierung, wurde Staßfurt eine relativ bevölkerungsreiche Stadt.
Um 1900 hatte Staßfurt etwa 20000 Einwohner.
Für Personen- und Industrietransporte schien eine elektrisch betriebene Straßenbahn geeignet.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde vom Magistrat der Stadt der Bau einer Straßenbahn, als modernes und effektives Nahverkehrsmittel, beschlossen. Im Dezember 1898 begann man mit dem Bau der Strecke von Achenbach  bis Hecklingen, welche nach einer fast einjährigen Bauzeit am 7. April 1900 in Betrieb genommen werden konnte und am 1. Juli bis zur Kohlengrube in Löderburg  verlängert wurde. Gebaut und betrieben wurde die Strecke von der Continentalen Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Berlin. Die Straßenbahn wurde neben der Personenbeförderung auch für die Post- und Güterbeförderung genutzt. Zweimal wurden, im Jahre 1938 sowie 1955, die Triebwagen erneuert. Am 10. April 1900 wurde die Bahn in Betrieb genommen. Als 1. Wagen kam ein Gebrauchtwagen der Stadt Dinslaken zum Einsatz. (Siehe Bild rechts)

Auf dem Gelände der Staßfurter Licht- und Kraftwerke (jetzt Stadtwerke) wurde eine Halle für die Stationierung der Betriebswagen ausgebaut (Bild rechts). Die Bahnen wurden maximal mit 2 Stück 30 kW Gleichstrommotoren angetrieben.
Der auch damals übliche Wechselstrom wurde hier mit Quecksilberdampfgleichrichtern oder später mit Einankerumformern in Gleichstrom umgewandelt. Um Lastschwankungen besser auszugleichen wurden 40% die Haushalte von Staßfurt mit Gleichstrom versorgt. Das war für die weitere technische Entwicklung sehr zu Nachteil. Es konnten keine Transformatoren betrieben werden, die Schalter und Stecker verbrannten durch lange Abrisslichtbögen.

 

Auf dem Bild rechts (scharfe Kurve am Luisenplatz, starkes Quietschen erschreckte hier die Anwohner) ist die Stromzuführung für die Bahn zu sehen. Eine abgefederte Stange, an der am oberen Ende eine Rolle den Fahrdraht kontaktierte. Bei Richtungswechsel musste die Stange vom Schaffner mit einer Art aufgerollten Wäscheleine gedreht (umgehängt) werden. Schwierigkeiten gab es bei diesem Prinzip auch bei Weichenfahrten. So kam es vor, dass die Stange geradeaus weiter glitt, während die Bahn schon in der Kurve der Weiche war. Auch die Aufhängung der Fahrdrähte war kompliziert. Die Drähte mussten immer hohl hängen. es kam auch oft vor dass die Stange während der Fahrt absprang und eine Fahrpause verursachte.
Trotzdem war den Staßfurtern die Bahn ans Herz gewachsen. Sie wurde auch "Chlorodond-Schaukel" genannt, weil einige Züge im oberen Bereich eine diesbezügliche Werbung trugen.
Auf einer Strecke von 10 km fuhr die Bahn von Achenbach bis Hecklingen, am 1. Juli konnte dann auch das zweite Teilstück bis zur Kohlengrube in Löderburg in Betrieb gehen. Neben Personen beförderte die Straßenbahn ab 1901 auch die Post von Staßfurt nach Löderburg und ab 1906 auch Güter. Die Strecke verlief von der Endstelle Hecklingen (Bild rechts) die Hermann-Danz-Str. entlang, vorbei am Staßfurter Friedhof, am ehemaligen Schwimmbad, zur Hecklinger Str., Luisenplatz, Steinstr., Prinzenberg, Athenslebener Weg, Neustaßfurt, über die Kohlengrube, Neustaßfurter Str. nach Löderburg. Hier in der Nähe des Thiedammes war die Endstelle Löderburg.
Auf diesem Weg mußte die Bahn 2 größere Steigungen (ca. 5%) bewältigen. Das waren der Prinzenberg und in Hecklingen die Hermann-Danz.Str. Im Winter bei Glätte rutschten hier oft die Räder durch. Es musste geräumt und Sand gestreut werden.
Bis zum Jahre 1902 gab es noch eine Nebenverbindung bis zum Bahnhof (Bild).
Auch auf diesem Bild in der Steinstr. sieht man noch den Abzweig zum Bahnhof.     
Die Strecke wurde einspurig ausgebaut. So wurden mehrere Ausweichstellen mit von Hand betriebenen Weichen (später in der Innenstadt elektrische Weichen). So weit ich mich erinnern kann waren die Ausweichstellen an den Endstellen, an der damaligen Badeanstalt, in der Steinstraße Abzweig  Bahnhof und an den Drahtwerken. Ohne Ampeln, zeitlich vereinbart, musste hier auf die entgegenkommende Bahn gewartet werden.
Die Fahrzeit von Hecklingen nach Löderburg betrug ca. 45 min.
Im August 1938 wurden neue Wagen beschafft, in denen man quer zur Fahrtrichtung saß (bis dahin saßen die Fahrgäste längs zur Fahrtrichtung). Im Jahre 1955 wurden dann auch neue Triebwagen eingesetzt. Die Spurweite der Bahnen lag bei 1 m. Diese war nur in wenigen Orten in Deutschland üblich. Deswegen war die Beschaffung neuer Wagen eingeschränkt.
Am 31.12.1957 wurde der Betrieb der Straßenbahn eingestellt. Den Personentransport übernahmen Omnibusse. Der Betrieb wurde unrentabel. Auch dem wachsenden Straßenverkehr die Streckenführung nicht gewachsen. In der Innenstadt fuhr die Bahn von der Mitte nach links, dann wieder nach rechts und umgekehrt. Wie im Bild sichtbar wurde hier auf der Bodebrücke die Bahn 2 spurig geführt. Darüber habe ich keine weiteren Informationen gefunden.
Die Staßfurter Stadtwerke waren, auf Grund des Standortes, daran interessiert, ein Denkmal für die Staßfurter Straßenbahn zu setzen. So wurde im Sommer 2010, ein Triebwagen TW 20 von Naumburg nach Staßfurt befördert. Dieser Wagen wird hier auf dem Gelände als Erinnerungsstück aufgestellt, um an die Staßfurter Straßenbahn zu erinnern.

G.M.

P.S: Für die absolute Richtigkeit der gemachten Angaben kann ich nicht garantieren. Wenn jemand etwas besser weiß oder Ergänzungen hat, dann bin ich für jeden Hinweis dankbar und ich werde Änderungen sofort einarbeiten. Besonders interessant wäre ein Fahrplan von damals.

Adresse im Impressum ersichtlich.